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Erst Österreich und Italien, neulich Frankreich und nun die Niederlande. Ist Deutschland bald umzingelt von Strömungen wider der gewohnten Nachkriegsdemokratie? Heißt es bald wieder: Wir gegen den Rest, gegen die Suppn? Denn schon droht weiteres populistisches Ungemach an unseren jetzigen und ehemaligen Grenzen. Wann folgen die Tschechen, die Luxemburger und die Finnen? "Ursachenforschung" ruft Otto Normalgebildeter und erstellt mit Blick auf den genauso großen Nachbarn im Westen die übliche Liste: EU-Bürokratie, unzufriedene Bauern, von Verslumung bedrohte Städter, die Folgen des Kolonialismus, deshalb zu viele Andersgläubige und -farbige im Land, die Zunahme von Kopfverletzungen beim Freizeitspiel mit Eisenkugeln. Dieser Ansatz macht Sinn, jedoch keinen tieferen. Die Antworten heißen ja, ja, ja und doch nein! Wo liegt also le chien begraben? Den Franzosen und all den anderen europäischen Nachbarn mangelt es vor allem an einem und das gewaltig, am Charakter prägenden Gutbild (regional auch Fleiß- oder Glanzbildchen). Ihre Kindergärten, Vorschulen, Schulen und höheren Bildungsanstalten haben nie diese unendliche Kollektion von farbenfrohen Drucken gesehen, ihre Kinder, Heranwachsenden und Auszubildenden nie den Lohn kennengelernt für lobenswertes Benehmen, Hilfsbereitschaft und emsiges Bemühen. Bei uns indessen wird unnötig an einer Schulreform herumgedoktort. Einschulung mit fünf Jahren, Gymnasium bis zur 12. oder 13. Klasse, endlich mehr private Schulen und Universitäten für die Besserverdienenden - das alles sind Kinkerlitzchen. Das Gutbildsystem muss eine Renaissance erleben. Zudem kann man nicht umhin, es bis hinein in die aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte Bundeswehr und in die Bundesliga auszudehnen. Wichtel, Bär und Käferle sollen die Lehrmeister einer neuen europäischen Jugend sein. Denn die Autorität der Gutbilder sorgt nicht nur für kindlichen Fleiß, Ordnungssinn und Gehorsam gegenüber dem Besserwissenden. Auf sehr lange Sicht verankert das einfühlsam gemalte und von einem fröhlich besinnlichen Text begleitete Bildchen auch den Sinn für Demokratie in unseren Herzen. Dies ist das unumstößliche Ergebnis einer seit 1879 durchgeführten, vielleicht nicht immer linear zum beschriebenen Ziel führenden Langzeituntersuchung der renommierten Max Josef- Huber-Gesellschaft. Ein Volk, das über mehrere Generationen hinweg mit Gutbildern, mit der Abbildung einer heilen und heiteren, einer frohen und christlich-frommen Welt erzogen und belohnt wird, bekennt sich früher oder später uneingeschränkt zum demokratischen Gemeinwesen. Ein modernes Europa ohne Gutbilder steht auf sehr wackeligen Beinen - oder mit den Worten von Prof. Sylvester Wagnerl: Das Gutbild ist eine Fahrkarte in eine bessere Welt. |
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