Ketten über die Donau

Eine Blockade zu Wasser soll Österreich endlich die Demokratie bringen

Die jüngsten Geschehnisse rund um die Twin Towers und die Taliban haben das - für historisch Feinfühlige allemal - bedeutendste weltpolitische Großereignis der Jahrhundertwende in den Hintergrund gerückt: den Boykott Österreichs wegen nicht unbeträchtlicher Stimmabgabe zugunsten einer nicht als demokratisch genug erachteten Gesinnung. Für manche mag die beispiellose Strafaktion der übrigen EU-Staaten gegen Österreich nur Episode im Laienspiel heutiger Diplomatie gewesen sein. Die wirklich Besonnenen jedoch erwarten mehr. Es hatte vielversprechend begonnen, das Konzert gesamteuropäischer Innenpolitik, in dem sich wahre Staatsmänner zusammentaten, um dem Fehlverhalten jedes fünften österreichischen Wahlteilnehmers einen Strick zu drehen. Gemeinsam wurde an diesem Strick gezogen, dass es nur so eine Lehre war.
Verhärtet und fundamentalistisch: Der Österreichische Älpler
Dies blieb im freien Europa nicht folgenlos: Italien wählte den Vollblutdemokraten Berlusconi zum Regierungschef, in der Hamburger Bürgerschaft machte sich ein politikgeschichtlicher Eintagsfliegenschiss namens Schill breit und der Präsident des Münchner Fußballclubs 1860 zögerte mehr als deutlich ehe er seinen langjährigen Trainer Lorant von einem Österreicher ablösen ließ.
Doch in Österreich selbst? Keine Reaktion. Es scheint als hätte die Boykottaktion in der Alpenrepublik nicht viel bis rein gar nichts bewirkt. Der Warnschuss, abgefeuert von Staatsmännern wie dem bemühten, aber immer wieder überforderten deutschen Außenminister Fischer, verpuffte und blieb in den Tälern Austrias ohne Echo. Den Geheimdiensten gelang es zwar mit Hilfe eines Stasi-Frührentners das Abfahrtsas Hermann Maier vom Motorrad zu holen. Doch mehr als ein Achtungserfolg sprang dabei auch nicht heraus.
Währenddessen geht man zwischen Neusiedler See und Dornbirn wieder allzu gerne und aufmüpfig zum ‘Tagesg’schöft’ über, plündert Durchreisende aus, läßt die undemokratische Seele in Skischaukeln baumeln und rüstet dabei unverhohlen mit Schneekanonen auf. Auch wird weiterhin keine Gelegenheit ausgelassen, munter zweistündige Sondersendungen über das Free-TV auszustrahlen, wenn auch nur die Klopapierhalterung für die nächste Weltraummission in Österreich verpackt wurde oder bei populären Sportveranstaltungen der Großmutter des Linienrichters einseitig österreichische Herkunft nachgewiesen werden könnte.
Das Gebot der Stunde heißt: Kanonenboote auf den Bodensee und eine Kette über die Donau. Die Geschichte zeigt uns, das wirksamste Mittel, renitente Kleinstaaten noch kleiner zu kriegen, ist und bleibt die Seeblockade. Und wenn es keine See gibt, dann macht man halt den Fluß- oder Seenweg dicht.
Vor allem entlang der Donau sollte man sich für die von den Grünen / Bündnis 90 auf die nächsten fünfzig Jahre begrenzte militärische Maßnahme erwärmen. Dort wäre es allemal besser, hinter Passau den Fluss abzuriegeln, statt sich von krankhaften Betonmischern einreden zu lassen, es würde die Menschheit am Fluss auch nur ein paar Zentimeter weiterbringen, wenn die letzten Kilometer einer halbwegs natürlich fließenden Donau zum Kanal umfunktioniert werden.
Die Moral eines undemokratischen Österreichs muss gebrochen werden. Und das haben die Grünen genau erkannt, Äppelkähne mit Krimsekt-Paletten aus dem Schwarzen Meer und Haschplatten aus Holland hält man nicht mit Lichterketten, sondern mit Eisenketten auf.