Der Herbst ist da, und die Welt ist schlimm. Wer eine nette, gepflegte Wohnung hat, zieht sich in diese zurück, setzt sich auf seine Couchgarnitur ‘Esmeralda’ und blickt um sich. Musik schirmt uns vom Treiben und Wüten ab. André Rieu spielt Effinger und andere Matrosenlieder. Unser Inneres füllt sich mit Ruhe. Es kommt der Moment, in dem wir in geschlossenen Räumen plötzlich des dreidimensionalen Sehens mächtig sind.
Der Blick fängt die Kaffeetischecke ein. Hier stimmt etwas nicht, hier happerts bei der Harmonie. Genau, die Stühle sind kahl, schmucklos, so ganz ohne Pep. Es muss etwas passieren. Hm, hm, hm, aber was?
Diesen öden Lehnen können nur Hussen fehlen, in unserem Fall: Mini-Hussen.
Sagte jemand ‘Was?’, ‘Wie bitte?’ oder ‘Öha?’
Hussen sind ziemlich dekorative Schutzhüllen für Sitzmöbel. Große Hussen werden über die Rückenlehne, den Stuhl oder ganze Sitzbänke gezogen. Bei Mini-Hussen handelt es sich keineswegs um kleinwüchsige Angehörige einer Glaubensrichtung des ausgehenden Mittelalters, sondern um oftmals selbstgenähte Bezüge, welche den oberen Bereich der Lehne zieren und den absoluten Beweis für Wohneleganz erbringen. Sie ähneln den Schuppenfängern, die über Flugzeugsessel gestülpt werden, damit die zu befördernden Fettbirnen keinen bleibenden Abdruck hinterlassen.
In unserem Fall werden die Mini-Hussen natürlich noch edel verziert. Zur Auswahl stehen Schleifchen, Lilien- oder Herzanhänger, Kronleuchterreste oder Quästchen. Befestigt wird der Klimbim an eigens dafür mittig eingetriebenen Nietenringen, welche auf den Fachbegriff Kausch hören. Und der nächsten Einladung zum Kaffee lässt sich sorgenfrei entgegenblicken.
"Äh, eine Frage, welche Menschen machen so etwas wie Hussen, und was macht man mit solchen Frauen, äh, Menschen?"
Das war nicht Rieu, das war nicht Effinger, sondern nur ein kleiner, grober Misston. Vergessen Sie ihn und merken sich einfach: Hussen. Hussen - nicht Russen.
Ach ja, die Russen, die haben als Überraschungsgäste an unserem Kaffeetisch wohl endgültig ausgedient. Was soll jetzt mit den fünf Karton Billig-Cognac im Keller geschehen? Statt dem Iwan könnten jetzt die Radikal-Islamisten als unverhoffter Besuch dem mit Feinsinn eingerichteten Menschheitsteil drohen. Was bietet man denn diesen Leuten eigentlich so an? Die haben doch schon alles.
Vielleicht einen Satz Mini-Hussen: "Da, du Wurzel-Yussuf, Mitbringsel für die drei Damen daheim - auch zum Aufsetzen." Könnte ein fröhlicher Nachmittag werden.
Aber noch ist es nicht so weit, sondern nur Herbst.
Übrigens, ist eine Kausch übrig geblieben, dann knipsen Sie diese dem für Sie zuständigen Außenminister in den Kragen. Damit hat man einen prima Aufhänger für Hampelmänner.